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Jessica

27.3.1994

Mein Mann und ich sind seit sieben Jahren verheiratet. Wir haben zwei gesunde Mädchen, Danielle und Michelle, die diese Woche fünf und drei Jahre alt sein werden.

Als wir uns für ein drittes Kind entschieden, war ich ein bisschen ängstlich. So bat ich Gott um Wegweisung. Nach kurzer Zeit empfand ich Gottes Bestätigung und wurde auch sofort schwanger.

Im vierten Schwangerschaftsmonat ging ich zu einem Routine-Ultraschall und die Diagnose ergab, dass unser ungeborenes Kind Anenzephalie hatte. Der Arzt erklärte uns, wie das Ergebnis dieser Geburt aussehen würde und zeigte uns unsere Möglichkeiten auf. Ich brauchte keine Zeit zum Nachdenken, ich wusste, dass dieses Kind von Gott vorherbestimmt war, geboren zu werden. Der Arzt respektierte unsere Entscheidung, die Schwangerschaft weiterzuführen, und ich begann mit der vorgeburtlichen Betreuung durch ein Hebamme am Ireland Army Community Hospital.

Meine Hebamme schlug vor, die Geburt an oder kurz vor dem errechneten Geburtstermin einzuleiten, da man in solchen Fällen üblicherweise künstlich einleiten muss. Der Termin war der 28. März, aber ich entschied mich, die Geburt am 24. März einzuleiten, damit ich sie an einem Wochenende haben und meine Familie mit uns zusammen sein könnte.

Es war eine lange und schwierige Geburt, Jessica Lynn wurde am 27. März totgeboren. Sie war ein hübsches Baby mit wenig Haaren und der Nase ihrer Mama.

Wir sind im Militär und stationiert in Fort Knox, Kentucky, aber unser Zuhause ist in West Virginia. Ein örtliches Beerdigungsinstitut bereitete ihren Körper vor und wir brachten sie selbst nach Virginia, umgeben von Menschen, die sie liebten. Wir nahmen sie mit, hatten dann einen kurzen Gottesdienst mit Besuch und Besichtigung in der Gemeinde, wo mein Schwiegervater Pastor ist. Dann begruben wir sie auf einem Familiengrundstück, das ausgehoben und vorbereitet wurde von Familienmitgliedern und Freunden, die sie liebten.

So in die Beerdigung mit eingebunden zu sein, hat uns bei unserem Heilungsprozess geholfen und war auch eine positive Erfahrung mit dem Tod für unsere Kinder. Die Beerdigung kann so sein, wie Sie es haben möchten. Denken Sie die Dinge im Voraus durch und lassen Sie sich nicht von anderen dazu drängen, schnelle Entscheidungen zu treffen. Es ist eine Zeit, wo Sie an sich und die unmittelbare Familie denken müssen. Wir wollten so wenig wie möglich im Nachhinein bedauern müssen.

Denen unter Ihnen, die ein Kind mit Anenzephalie austragen und sich Sorgen um die Reaktionen ihrer anderen Kinder machen, möchte ich den Rat geben, ihre Kinder soweit wie möglich vorzubereiten. Sprechen Sie darüber, wie das Baby aussehen könnte und dass es sterben würde und zeigen Sie ihnen Bilder. Die Kinder werden jedoch mehr darauf achten, was sie in Ihnen selbst sehen. Unsere Kinder lieben und vermissen Jessica. Sie haben überhaupt nicht darauf reagiert, wie sie aussah.

Ich hatte einen wunderbaren Freundes- und Familienkreis, der mich im Gebet vor den Herrn brachte und in die Bresche trat, wenn ich das Gefühl hatte, selbst nicht beten zu können. Das hat mich und meinen Mann aufrechterhalten, denn Gott hat versprochen, uns nicht zu verlassen oder zu vergessen.

Vieles von dem, was passiert ist, verstehen wir nicht, aber ein Vers im Psalm 27,13 tröstet mich:

"Ich verlasse mich immer noch darauf. Ich werde die Güte des Herrn im Land der Lebendigen sehen".

Ich fand auch ein Buch von Dr. James Dobson mit dem Titel: "Molding on to Your Path When Go Doesn't Make Sense", das mir sehr geholfen hat.

Dieses Zeugnis zusammenzufassen ist einfach: es ist es wert.

Auch wenn Ihr Kind totgeboren wird. Es ist es wert, es neun Monate lang auszutragen. Es ist es wert, es in den Armen zu halten und lieb zu haben. Jessica hat soviel Liebe in unsere Familie gebracht. Sie hat uns gelehrt, einander jeden Tag zu lieben und zu schätzen. Wenn ich jetzt hier sitze und ihre Fotos anschaue, erinnere ich mich daran, dass sie Gottes kleines Geschenk war und Jessica Lynn für immer ein Teil unserer Familie sein wird.

geschrieben am 4.5.1994

 

Aus dem Englischen übersetzt mit Erlaubnis der Anencephaly Support Foundation

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 15.04.2016