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Juda

Juda, Baby in Anenzephalie

 

Heute haben wir den 29.06.2020, fast 3 Monate ist es jetzt her, dass wir unseren kleinen Juda Löwen in unsere Arme empfangen durften.

Damit ihr unseren Weg etwas besser verstehen könnt, erzähle ich euch kurz ein bisschen über uns.

Wir haben bereits 2 wunderbare Kinder und der jüngste, unser Sohn, war gerade erst 8 Monate alt, als wir uns noch ein Kind gewünscht haben. Diesen wollten wir auch Gottes Hände geben und einfach schauen wann er es für richtig hält. Doch als ich nicht schnell schwanger wurde, begann in mir ein Prozess, wo ich anfing die Dinge aus eigener Kraft, anstatt aus Gottes Händen zu tun und begann meine Schwangerschaft mit allen Mittel zu unterstützen und mit einem Gebet zu decken, sprich: ich bat weiterhin aus egoistischen Gründen um ein weiteres Baby und nicht um Weisung und Erkenntnis in Gottes wunderbaren Zeitplan.

Tatsächlich wurde ich dann im nächsten Zyklus schwanger und wir freuten uns sehr. Wir empfanden es als perfekten Zeitpunkt, obwohl zur Zeit unsere Ehe nicht so gut lief.

Auch hatte ich vor meiner Schwangerschaft mit Juda mehrere Antibiotika nehmen müssen und diese haben mich auch körperlich sehr mitgenommen, sodass ich mir schon als ich von dem positiven Test erfahren habe grosse Sorgen gemacht habe und auch Gott darum bat, dass wenn dieses Kind behindert ist, er es sofort zu sich nehmen soll. Aus Angst es nicht zu schaffen.

Ich hatte auch ein schlechtes Gefühl, das ich nicht beschreiben kann. Ich dachte durchgängig, dass irgendwas nicht stimmte und machte mir sorgen um mein Baby, ob es überhaupt noch lebt!

Die Monate vergingen und ca. in der 11 Woche wollte ich zu meinem Frauenarzt, der hatte jedoch unerwartet Urlaub und deshalb ging ich zu seiner Vertretung und zuerst war ich sehr beruhigt und habe mir nichts dabei gedacht. Was an diesen Tag geschehen war, wusste ich erst im Nachhinein.

Als ich bei dieser Vertretung gewesen bin, machte er auch einen Ultraschall und ich sah mein Baby auf einem grosse Monitor wie es sich fleissig bewegte. Ich dachte alles wäre in Ordnung und auch der Frauenarzt sagte nichts zu mir. Als ich mich anzog, stellte er mir plötzlich die Frage, ob ich aufgrund meiner 27 Jahren schon an eine Feindiagnostik denke. Ich war bisschen perplex und antwortete, dass ich es nicht genau wüsste, aber dass ich bei meinen anderen Kindern die Nackenfaltungmessung gemacht habe und diese auch gerne wieder machen wolle. Darauf sagte er: "Okay, dann anders gefragt: Würde eine Diagnose bei ihrem Kind irgendwas an ihrer Einstellung zum Kind, sprich irgendwas an ihrer Lebenssituation und Verhalten ändern? Würde es ihnen etwas bringen vorher zu wissen ob ihr Kind etwas hat?" (so ähnlich. Auf dem Punkt gebracht wollte er wissen, ob ich dann mein Kind abtreiben würde)

Ich antwortet kurz mit zögern und fühlte mich auch beschämt im Herzen, da ich ja eigentlich Gott mein Leben anvertraut habe und das ganz ohne Zweifel tun wollte, aber der Arzt zeigte mir, dass ich versuche doch noch die Kontrolle über mein Leben irgendwie selbst zu behalten, denn ... ich wollte mich schliesslich "ja nicht sorgen müssen" und hätte immer "den Beweis" eines Menschen (Arzt) in meinen Händen, anstatt Gott zu vertrauen.

Somit gab ich zur Antwort: "Nein! es würde nichts ändern. Wir tragen die Verantwortung aufgrund dessen, dass wir ein Kind haben wollten. Und es ist ein Gottes Geschenk, worüber man nicht die Erlaubnis haben sollte, es abzulehnen oder sogar zu verlangen es umzubringen nur weil es meinen Wünschen nicht entspricht." (so ähnlich)

Er war die ganze Zeit sehr ruhig und gefasst und sagte nur mit einem sehr netten Lächeln: "Für was dann noch die Feindiagnostik?" Ich stimmte ihm zu und gab ehrlich zu, dass er eigentlich recht hatte.

Ich dachte an diesem Tag, dass Gott mir eine Lektion nur in Sachen Vertrauen geschenkt hat; aber dass da viel mehr dahinter stand begriff ich erst eine Woche später bei der Vorsorgeuntersuchung.

Juda, Baby in Anenzephalie

Als wir unser Baby sahen, war es wundervoll. Ich habe noch nie auf einem Ultraschall eines meiner Kinder sich so klar und deutlich bewegen sehen. Juda war ganz aktiv. Doch weil ich selber lange im Krankenhaus gearbeitet habe bemerkte ich schnell, dass der Arzt etwas auffälliges gesehen haben musste, da er sehr ruhig beim Untersuchen war und deshalb fragte ich sofort nach, was los sei.

Darauf meinte er, er müsse uns nochmal zu einer Experten schicken, da es Auffälligkeiten am Kopf unseres Baby gäbe. Ihr könnt euch sicher vorstellen was es in mir ausgelöst hat. Ich wusste sofort, dass unser Kind "behindert" sein würde und sagte das meinem Mann unter Tränen als wir die Praxis verliessen. Er versuchte mich zu trösten und machte mich auf die vergangene Woche aufmerksam, in der mir Gott die Lektion in Sachen Vertrauen gab und es jetzt die Prüfung auf meinem Glauben hin sei.

Leider dauerte es eine Weile bis wir den Termin bei der Feindiagnostik bekommen haben, wir baten Gott um Hilfe und Beistand. Ich versuchte herauszufinden, um welche Erkrankung es sich handeln könnte und ob doch vielleicht alles nur ein Fehler hätte sein können, doch als ich fast alles bereits durchgeoogelt hatte, kam es plötzlich: ANENZEPHALIE.

Ich informierte meinem Mann sofort und erklärte ihm, dass es bestimmt diese Krankheit sei und unser Kind sterben würde.
Ich war, und das hört sich für Aussenstehende schlimm an, froh, dass unser Kind nicht überlebensfähig sein würde und vor oder nach Geburt sterben würde. Sprich, ich würde kein behindertes Kind grossziehen müssen. Warum ich so dachte, kann ich nicht mehr genau sagen, aber ich denke es war wegen einer grossen Angst und aus überforderung vor einem Baby, das all unser sein benötigen würde. Ich vergass in diesen kurzen Augenblicken vollkommen Gott.

Als wir endlich den Termin wahrgenommen hatten, wurde leider die Diagnose bestätigt: Anenzephalie! Mein Baby würde nicht überlebensfähig sein. In mir zerbrach alles, ich konnte nur noch weinen.

Aufgrund meines Glaubens war ich eigentlich gegen eine Abreibung, doch auf dem Weg nach Hause war für mich klar gewesen: Ich möchte "das" alles mir und meinem Kind nicht antun! Ich reagierte wieder total egoistisch und wollte am Besten den Alptraum sofort beenden und nicht weitere Wochen bis Monate mit mir rumschleppen müssen. ich versuchte Gründe zu nennen warum eine Abtreibung notwendig sei... In meinem Herzen wusste ich jedoch, dass es nicht geht.

Mein Mann sagte auf der Rückfahrt nicht allzu viel, ausser dass ich genau wüsste was das Richtige sei.

Und ja, dass wusste ich...

Ich habe versucht Gott zu spielen und bin meine eigenen Wege gegangen, als ich aus egoistischen Gründen versucht habe schwanger zu werden, ohne dem kommenden Kind eine stabile und geistliche Familie bieten zu können. Genau deswegen wusste ich, dass es nur Gott sein wird, der über Leben und Tod meines Babys zu entscheiden hat. Die Entscheidung war klar: Wir behielten unser Baby und begingen unseren harten Weg bis zur Geburt und Tod Judas!

Ihr könnt vielleicht ein wenig nachvollziehen was es bedeutet, solch einen Weg zu gehen und es war ganz und gar nicht leicht. Ich fiel in ein tiefes Loch und hatte starke Depressionen. Ich war nicht mehr in der Lage mich zu freuen und wollte am Liebsten, dass es jeden Tag vorbei sei und unsere Familie wieder an Normalität erlange.

Aber der kleine Mann lebte, er wuchs heran und wurde immer stärker. Ich habe mich viel informiert über seine Erkrankung und habe mir auch oft Vorwürfe deshalb gemacht, aber jedes mal wurde mir versichert, dass es anscheinend eine Laune der Natur gewesen sei und diese sehr selten vorkomme.

Es fiel mir ein wenig schwer zu glauben und so versuchte ich immer wieder Fehler bei mir und bei meiner Familie zu finden. Zu viel Stress, zu schnelle Schwangerschaften usw. Aber nichts davon befriedigte meine Sehnsucht nach Antworten.

Auch Gott schien durchgängig zu schweigen, obwohl ich ganz am Boden lag. Doch heute verstehe ich, warum Gott mich so tief laufen lassen hat. Ich sollte (wie damals Elia in der Bibel, als er auf dem Berg stand und Gott sagte, er würde an ihm vorüberziehen), Gott erkennen und zwar in der Stille und ihm zuhören.

Ja, Leid bewirkt in uns Menschen das wir stille werden und uns fragen an das Leben stellen. Wir denken darüber nach und haben die Möglichkeit Gott mit neuen Augen zu sehen. Ich habe mich selbst von allen isoliert. Besonders, weil viele in unserer Gemeinde zur selben Zeit schwanger gewesen waren und ich mir das einfach nicht immer antun wollte.

Doch genau in dieser Depression und Isolation gab es nur eins was ich tat, und das war zu Gott flehen. Obwohl ich dachte er schweige, denn das tun Lehrer üblicher Weise in einer Prüfung, gab er mir jeden Tag neue Kraft um weiter zugehen.

So vergingen die Tage bis zum 30.03.2020.

Juda, Baby in Anenzephalie

Da ich nicht zu viel Fruchtwasser hatte und auch so allgemein keine Schwangerschaftsprobleme bekam, haben wir dennoch einen Einleitungstermin vereinbart. Ich konnte es psychisch einfach nicht mehr aushalten.

Wir beten sehr viel, ob es Gottes Wille sei und alles sah zuerst danach aus als ob es nicht sein sollte, doch als wir vor Ort waren, gab Gott uns Stück für Stück Einblicke in Gottes herrlicher Führung.

Morgens früh begann die Einleitung mit Tabletten, am späten Abend habe ich mich dann für einen Einlauf entschieden und plötzlich fingen leichte Wehen an. Davor hatte ich immer nur ab und an mal einen harten Bauch ohne grosse Schmerzen.

Die Geburt verlief super! Juda war schnell da und wurden gegen 22 Uhr geboren und er lebte !

Mein Mann weinte zuerst vor Schreck, weil man uns sagte die offene Hirnmasse sei vom Fruchtwasser aufgelöst, doch in Judas Fall war dem nicht so.

Als ich ihn sah, sah ich nur wie schön er doch war!

Ich habe Solche Sätze schon oft gelesen und dachte immer "nein! ich bin so realistisch, ich werde nicht einfach mein Baby schön finden, obowhl es solch eine Wunde besitzt!" Doch wirklich, er war wundervoll sowie er war!

Ja, er hatte eine riesige Wunde auf seinem Kopf und deshalb empfand ich zugleich auch tiefes Mitleid.

Ich küsste ihn und betrachtet ihn genauens! Sein Körper war wie jedes andere Baby und er atmete und lag in meinem Armen als sei er gesund. Ich war echt glücklich, besonders auch weil diese dritte Geburt perfekt gewesen war! Aufgrund seines Kopfes hatte ich keinerlei Verletzungen und auch sonst war es sehr angenehm, ihn in meinem Geburtskanal zu spüren. Das alles erzähle ich nur, weil ich Monate vorher immer dafür gebetet habe und es wurden alle meine Gebete erhört, sei es nun die Hebammen oder ärzte.

Juda lebte 26 Stunden und die ärzte sagten immer er wolle nicht gehen, weil er sich so wohl bei uns fühlen würde.

Doch am Ende wünschten wir es ihm wirklich, denn er konnte nichts essen. In meinem Bauch hatte er immer regelmässig Fruchtwasser getrunken, doch jetzt war wollte er nichts zu sich nehmen. Nach bereits 12 Stunden wurde er immer schwächer. Mein Mann ging mit ihm in die Sonne, er sollte die Vögel zwitschern hören. Sonst war er immer in meinen oder seinen Armen um ihm einfach Liebe zu geben!

Nach seinem Tod, habe ich oft bereut nicht "mehr" für ihn getan zu haben, doch meine Freundin meinte, dass es alles sei und genügte was man als Mutter seinem Kind geben kann in solchen Momenten.

In der Nacht starb Juda in unserem Armen. Ich weinte viel, aber gleichzeitig war ich froh, dass er jetzt bei Jesus ist. Bei Jesus ist er vollkommen, heil und perfekt.

Am gleichen Tag fuhren wir dann nach Hause. Ich hatte bereits vor der Geburt eine Kommode gekauft, wo eigentlich das Babybett stehen sollte und auch frisch die Betten gewaschen und sauber gemacht, damit wenn ich nach Hause komme alles ordentlich ist und mich somit ein schönes, nicht trauriges Zuhause erwartet.

Juda, Baby in Anenzephalie

Es war sehr seltsam aber nachdem Juda tot war haben wir nur selten geweint und bis heute können wir nicht so wirklich traurig darüber sein. Wir wissen, dass es Juda jetzt viel besser geht und er mit einer Liebe von unserem Herrn Jesus Christus geliebt wird, mit der wir ihn niemals lieben könnten. Er wird niemals Schmerz, Leid oder Tränen kennen lernen müssen. Ihm geht es jetzt gut! und natürlich liebe ich ihn und deshalb bete ich auch dafür, dass ich glücklich für ihn sein kann, weil er jetzt nicht bei mir sondern beim Herrn sein darf und mein Ziel ist es, meine anderen Kinder so zu erziehen,dass sie auch eines Tages mit Jesus Christus ihr Leben führen und dann ihren Bruder im Himmel wiedersehen zu dürfen, genauso wie wir als Eltern.

Gott zeigt mir bis heute was Juda für unser Leben bedeutet hat!

Wir durften wieder ein Stück erwachsender werden und etwas neues im Leben Gottes dazulernen. Leider werde ich es erst im Angesicht von Gott selbst erfahren für was genau das alles passiert ist. Eines habe ich gelernt aus dem Buch "Ewig geborgen" von JOHN MAC ARTHUR: das jedes Leben, jedes BABY von Gott gewollt ist und er einen Plan mit jedem von diesen Kindern verfolgt! Also so sobald ein Leben entstanden ist, hat Gott ein Ziel, sei es lebend oder wie in unserem Fall zum Tod! Gott hat mit allem immer das Beste im Sinn und ich weiss, dass es schwer ist zu glauben, doch ich kann dir versprechen :"Wenn man sich auf Gott einlässt und probiert ihm voll und ganz zu vertrauen - dann wirst du am Ende nicht enttäuscht werden."

Ich weiss, dass meine Geschichte nicht Eure ist! Und ich weiss das es immer leicht ist so zu reden, wenn mann nicht in der Situation steckt / bzw. nicht mehr. Doch ich sage immer: "Jeder hat den perfekten Rucksack von Gott zusammengestellt bekommen, für eine Reise die immer an das richtige Ziel führt!"

In dieser sehr schweren Zeit waren viele Menschen für mich da, das durfte ich auch erfahren. Mir persönlich hat es auch sehr geholfen, die Berichte hier zu lesen und zahlreiche Bücher, die hier auch genannt werden. Danke an Monika das sie diese Seite ins Leben gerufen hat und danke, dass ich dadurch auch gestärkt worden bin.

Wenn ihr wollt, dürft ihr mich gerne kontaktieren und all eure Fragen stellen :) Ich war sehr dankbar dafür, das es Menschen gab die mit mir ihre Geschichte teilen.

Ich bete für euch, dass ihr Gott selbst in eurem Kind erkennen dürft. Und freue mich auf eure Nachricht. Ihr schafft das :)

"Der GOTT der Hoffnung aber erfülle euch, mit aller Freude und mit Frieden im Glauben, dass ihr überströmt in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!"
Römer 15,13

 

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 31.08.2020